Aktualisiert: Juli 2026

Kurzantwort: Nylon (Polyamid, PA) ist das zäheste, abriebfesteste und belastbarste der gängigen 3D-Druck-Filamente. Es druckt bei 250–280 °C, braucht ein beheiztes Bett (70–90 °C) und idealerweise ein geschlossenes Gehäuse. Der wichtigste Punkt: Nylon ist extrem hygroskopisch und muss vor jedem Druck gründlich getrocknet werden — sonst ist ein sauberer Druck praktisch unmöglich. Ideal für mechanisch belastete Funktionsteile wie Zahnräder, Scharniere und Gleitlager. Die carbonverstärkte Variante PA-CF ist steifer und maßhaltiger und für die meisten Anwender die einfachere Wahl.

Was ist Nylon (Polyamid / PA)?

Nylon ist der geläufige Name für Polyamid (PA) — eine Kunststofffamilie, die in der Industrie seit Jahrzehnten für hochbelastete Bauteile eingesetzt wird: Zahnräder, Lagerbuchsen, Kabelbinder, Werkzeuggehäuse. Im 3D-Druck ist Nylon das Material, zu dem man greift, wenn PLA zu spröde, PETG zu weich und ABS nicht zäh genug ist. Die häufigsten Sorten im Filamentbereich sind PA6, PA12 und deren Mischungen sowie faserverstärkte Varianten.

Was Nylon von allen anderen Filamenten abhebt, ist die Kombination aus hoher Zähigkeit, hervorragender Abriebfestigkeit und niedriger Reibung. Ein Nylon-Teil bricht nicht, es gibt nach und federt zurück. Zahnräder aus Nylon laufen leiser und verschleißen langsamer als solche aus PLA oder PETG. Der Preis für diese Eigenschaften: Nylon ist deutlich anspruchsvoller zu drucken — vor allem wegen seiner extremen Neigung, Feuchtigkeit aufzunehmen.

Nylon-Eigenschaften im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Nylon-Eigenschaften mit realistischen Werten für handelsübliches Marken-Filament zusammen. Die genauen Zahlen schwanken je nach Sorte (PA6, PA12, PA-CF) und Hersteller deutlich — die Größenordnung ist jedoch materialtypisch.

EigenschaftWert / Bewertung
Chemische BasisPolyamid (PA6, PA12, PA-CF)
Drucktemperatur (Düse)250–280 °C (PA-CF eher 260–290 °C)
Druckbett-Temperatur70–90 °C
Gehäuse (Enclosure)empfohlen — reduziert Warping stark
Zähigkeit / Schlagzähigkeitsehr hoch — zähestes gängiges Filament
Abriebfestigkeithervorragend
Reibung / Gleiteigenschaftensehr niedrig (selbstschmierend)
Zugfestigkeit~50–70 MPa (PA-CF höher)
Bruchdehnunghoch (zäh, flexibel)
Chemikalienbeständigkeitgut (viele Lösungsmittel, Öle, Fette)
Feuchtigkeitsaufnahmesehr hoch — stärker als PETG, ABS oder ASA
Schrumpf / Warpinghoch — braucht Haftmittel und Gehäuse
Dichte~1,1 g/cm³ (leichter als PETG/ABS)
Düsenverschleiß bei PA-CFhoch — gehärtete Düse nötig

Wie sich Nylon gegen PLA, PETG und ABS einordnet, zeigt unsere große Filament-Vergleichstabelle mit allen gängigen Materialien im direkten Gegenüberstellung.

Optimale Druckeinstellungen für Nylon

Nylon verzeiht weniger als PLA oder PETG. Die drei großen Baustellen sind Feuchtigkeit, Warping und Bett­haftung. Mit getrocknetem Filament, einem Gehäuse und dem richtigen Haftmittel wird Nylon aber gut beherrschbar. Die folgende Tabelle liefert bewährte Ausgangswerte, von denen aus du in kleinen Schritten feintunst — beachte, dass PA-CF meist 10–20 °C heißer läuft als reines Nylon.

ParameterStartwert
Düsentemperatur250–270 °C (PA-CF: 260–290 °C)
Druckbett-Temperatur70–90 °C
Erste Schicht (Geschwindigkeit)langsam, ~20 mm/s
Druckgeschwindigkeit30–50 mm/s
Bauteilkühlung (Lüfter)0–20 % (Kühlung schwächt Schichthaftung)
Retraction (Direct Drive)1–3 mm
Gehäuse-Temperaturmöglichst warm, zugfrei
Düse0,4 mm; bei PA-CF gehärtet (Stahl/Ruby)
HaftmittelKlebestift, Magigoo PA oder Garolite-Platte

Kühlung und Schichthaftung

Anders als bei PLA gilt bei Nylon: möglichst wenig Bauteilkühlung. Der Lüfter kühlt die frisch gelegte Schicht zu schnell ab, bevor sie richtig mit der darunterliegenden verschweißen kann — die Folge sind schwache, delaminierende Lagen. Für Funktionsteile, bei denen es auf Festigkeit ankommt, druckst du Nylon am besten ganz ohne Kühlung oder mit maximal 20 %. Nur bei feinen Überhängen kann etwas Luft sinnvoll sein.

Warping und Gehäuse

Nylon schrumpft beim Abkühlen spürbar und neigt dadurch zum Verziehen (Warping) — Ecken heben sich vom Bett ab, große Teile lösen sich. Der wirksamste Hebel ist ein geschlossenes Gehäuse, das die Umgebungstemperatur hochhält und Zugluft fernhält. Dazu kommen eine gute Betthaftung, ein Brim oder Raft und eine nicht zu kühle Bett­temperatur. Reines PA6 warpt stärker als PA-CF: Die Carbonfasern reduzieren den Schrumpf deutlich, weshalb PA-CF für Einsteiger die gutmütigere Wahl ist.

Nylon trocknen — der kritischste Faktor

Kein anderes gängiges Filament ist so hygroskopisch wie Nylon. Es zieht Wasser regelrecht aus der Luft — eine offene Spule kann innerhalb weniger Stunden so viel Feuchtigkeit aufnehmen, dass ein sauberer Druck unmöglich wird. Feuchtes Nylon zeigt Dampfblasen, ein knisterndes oder poppendes Geräusch an der Düse, raue, matte Oberflächen und massiv geschwächte Bauteile. Wer Nylon druckt, muss es trocknen — das ist keine Kür, sondern Grundvoraussetzung.

In der Praxis heißt das: Nylon vor dem Druck bei rund 70–80 °C für mindestens 8–12 Stunden trocknen, bei stark durchfeuchteten Spulen auch länger. Anschließend solltest du direkt aus einer Trockenbox drucken, die die Spule während des gesamten Drucks trocken hält — bei langen Drucken zieht das Material sonst schon während des Jobs wieder Feuchtigkeit. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in unserem Ratgeber zum Filament trocknen. Welches Gerät sich dafür lohnt, klärt unser Filament-Trockner-Test mit konkreten Empfehlungen für unterschiedliche Budgets.

PA-CF: Carbonverstärktes Nylon

PA-CF ist Nylon, dem Kohlenstofffasern (Carbon Fiber) beigemischt sind — meist auf Basis von PA6. Die Fasern versteifen das Material erheblich, erhöhen die Maßhaltigkeit und reduzieren das Warping. Das Ergebnis ist ein Filament, das die Zähigkeit von Nylon mit deutlich mehr Steifigkeit und Formstabilität verbindet. Für viele Anwender ist PA-CF sogar einfacher zu drucken als reines Nylon, weil es weniger schrumpft und maßgenauer bleibt.

Der Haken: Carbonfasern sind abrasiv. Eine Standard-Messingdüse schleift beim Druck von PA-CF innerhalb weniger Spulen aus — du brauchst eine gehärtete Stahldüse oder eine Rubin-/Wolframcarbid-Düse. Optisch bekommt PA-CF eine typische matte, leicht raue Oberfläche in tiefem Schwarz. Eingesetzt wird es überall dort, wo es auf Steifigkeit und Belastbarkeit ankommt: Drohnenrahmen, Halterungen, Vorrichtungen, Werkzeuge und funktionale Prototypen.

Für den Einstieg in carbonverstärktes Nylon haben sich zwei Spulen als zuverlässig etabliert:

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Beide werden trocken und vakuumverpackt geliefert — trotzdem gilt: vor dem ersten Druck lieber einmal zu viel als zu wenig trocknen.

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Wofür eignet sich Nylon-Filament?

Nylon eignet sich für mechanisch hoch belastete Funktionsteile, die Zähigkeit, Abriebfestigkeit und niedrige Reibung brauchen. Klassische Anwendungen sind Zahnräder, Gleitlager und Laufrollen, Scharniere und Schnappverbindungen, Werkzeug- und Vorrichtungsbau sowie robuste Gehäuse und Halterungen. Überall dort, wo ein Teil dauerhaft arbeiten, reiben oder Stöße aushalten muss, spielt Nylon seine Stärken aus.

Konkret: Ein Zahnrad aus Nylon läuft leiser und hält länger als eines aus PLA oder PETG, weil das Material verschleißarm und selbstschmierend ist. Scharniere und Filament-Gelenke (Living Hinges) überstehen tausende Biegezyklen, ohne zu brechen. Kabelführungen, Riemen und lasttragende Clips profitieren von der hohen Zähigkeit. Für reine Deko, Figuren oder maßhaltige Prototypen im Innenbereich ist Nylon dagegen überdimensioniert — dort bleibt PLA oder PETG die einfachere Wahl. Wenn du unsicher bist, welches Material zu deinem Projekt passt, hilft unser Ratgeber Welches Filament für was? bei der Einordnung nach Anwendungsfall.

Nylon vs. PLA, PETG und ABS

Nylon ist das belastbarste, aber auch das anspruchsvollste der vier Alltags-Materialien. Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Eigenschaften ein und zeigt, wann sich der Mehraufwand lohnt.

EigenschaftPLAPETGABSNylon (PA)
Druck-Schwierigkeitsehr einfacheinfachmittelanspruchsvoll
Zähigkeitniedrig (spröde)hochmittelsehr hoch
Abriebfestigkeitgeringmittelmittelhervorragend
Feuchtigkeitsaufnahmegeringhochgeringsehr hoch
Gehäuse nötigneinneinempfohlenempfohlen
Trocknen Pflichtseltenoftseltenimmer
Typische NutzungDeko, PrototypenFunktionsteile, OutdoorGehäuse, hitzefestZahnräder, Lager, Belastung

Die Faustregel: PLA für einfache Teile und Optik, PETG für robuste Alltagsteile und Outdoor, ABS für Hitzebeständigkeit — und Nylon, wenn es auf maximale Zähigkeit, Abriebfestigkeit und mechanische Dauerbelastung ankommt. Für Teile, die „arbeiten” müssen, ohne Nylon-Aufwand, ist oft PETG der pragmatische Mittelweg.

Häufige Fragen zu Nylon-Filament

Muss man Nylon vor dem Druck trocknen?

Ja, praktisch immer. Nylon ist das hygroskopischste gängige Filament und zieht schon nach wenigen Stunden an der Luft so viel Feuchtigkeit, dass der Druck leidet. Feuchtes Nylon zeigt Dampfblasen, poppende Geräusche, raue Oberflächen und deutlich schwächere Teile. Trockne es vor dem Druck bei 70–80 °C für mindestens 8–12 Stunden und drucke möglichst direkt aus einer Trockenbox.

Bei welcher Temperatur druckt man Nylon?

Reines Nylon druckt man mit 250–280 °C an der Düse, typische Startwerte liegen bei 250–270 °C. Carbonverstärktes PA-CF läuft meist 10–20 °C heißer (260–290 °C). Das Druckbett sollte 70–90 °C warm sein. Die Bauteilkühlung bleibt weitgehend aus, damit die Schichten sauber verschweißen.

Was ist der Unterschied zwischen Nylon und PA-CF?

PA-CF ist Nylon mit beigemischten Kohlenstofffasern. Diese machen das Material steifer, maßhaltiger und deutlich weniger anfällig für Warping — dadurch ist PA-CF oft einfacher zu drucken als reines Nylon. Der Nachteil: Die Carbonfasern sind abrasiv und verschleißen Messingdüsen schnell. Für PA-CF brauchst du eine gehärtete Stahl- oder Rubindüse.

Braucht man für Nylon ein geschlossenes Gehäuse?

Empfohlen ja. Nylon schrumpft beim Abkühlen und neigt zum Warping. Ein Gehäuse hält die Umgebungstemperatur hoch und schützt vor Zugluft, wodurch sich große Teile deutlich zuverlässiger drucken lassen. Kleine PA-CF-Teile gelingen mit gutem Haftmittel manchmal auch offen, reines PA6 profitiert aber fast immer von einem Enclosure.

Wofür eignet sich Nylon-Filament?

Für mechanisch belastete Funktionsteile: Zahnräder, Gleitlager, Laufrollen, Scharniere, Schnappverbindungen, Werkzeuge und robuste Halterungen. Nylon ist zäh, abriebfest und selbstschmierend — ideal für Teile, die reiben, biegen oder Stöße aushalten müssen. Für Deko und maßhaltige Prototypen sind PLA oder PETG die einfachere Wahl.

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