Aktualisiert: Juli 2026
Kurzantwort: Löslicher Support ist Stützmaterial, das du nach dem Druck einfach herauswäschst statt es mühsam abzubrechen. Die zwei Standards: PVA ist wasserlöslich und die erste Wahl für PLA und PETG — du legst das fertige Teil in Wasser, der Support verschwindet rückstandslos. HIPS löst sich in D-Limonen und ist der klassische Support-Partner für ABS. Beides funktioniert aber nur mit einem Drucker, der zwei Materialien gleichzeitig verarbeiten kann (Dual-Extruder oder IDEX). Wichtigster Fallstrick: PVA ist extrem hygroskopisch und muss vor jedem Druck getrocknet werden, sonst schäumt es an der Düse.
Was ist löslicher Support — und wann lohnt er sich?
Jedes Überhang- oder Brückenelement, das im Druck „in der Luft” beginnt, braucht eine Stütze. Normalerweise druckt der Slicer diese Stützen aus demselben Filament wie das Bauteil. Das funktioniert, hinterlässt aber an den Kontaktflächen raue Narben, und bei komplexen Innengeometrien oder eingeschlossenen Hohlräumen kommst du mit der Zange schlicht nicht mehr an den Support heran.
Genau hier setzt löslicher Support an: Das Stützmaterial wird aus einem zweiten Filament gedruckt, das sich in einem Lösungsmittel auflöst, das dem eigentlichen Bauteil nichts anhaben kann. Nach dem Druck legst du das Teil ins Bad, wartest — und übrig bleibt eine saubere Oberfläche, auch an Stellen, die mechanisch unerreichbar wären. Das ist der große Vorteil: perfekte Überhänge, glatte Support-Kontaktflächen und Geometrien, die anders gar nicht druckbar wären.
Der Haken: Du brauchst einen Drucker, der zwei Filamente in einem Druck verarbeiten kann. Dafür gibt es drei Wege:
- Dual-Extruder mit zwei Düsen: Zwei komplette Hotends, eines für Modell, eines für Support. Sauber getrennt, aber justieraufwändig.
- IDEX (Independent Dual Extruder): Zwei unabhängig verfahrbare Druckköpfe — die technisch sauberste Lösung, da die inaktive Düse geparkt wird und nicht tropft.
- Multi-Material-Systeme (AMS, MMU & Co.): Eine Düse, automatischer Filamentwechsel. Funktioniert, produziert beim Wechsel aber Purge-Abfall.
Wer nur einen einzelnen Extruder mit einer Düse hat, kann löslichen Support technisch nicht nutzen — das Filament müsste mitten im Layer gewechselt werden, was ein Ein-Düsen-Gerät ohne Wechselsystem nicht kann. Für diese Nutzer bleibt es beim Standard-Support aus dem Modellmaterial.
PVA — der wasserlösliche Support für PLA und PETG
PVA steht für Polyvinylalkohol. Es löst sich vollständig in normalem Leitungswasser auf — kein Lösungsmittel, keine Dämpfe, keine Chemie. Das macht PVA zum bequemsten Support überhaupt: Teil ins Wasserbad, warten, fertig. Genau deshalb ist es der Standard-Partner für PLA und PETG, die beiden am häufigsten gedruckten Materialien.
PVA druckt bei moderaten Temperaturen um 190–220 °C und verträgt sich thermisch gut mit PLA und PETG, deren Druckfenster sich überschneiden. Die Haftung zwischen PVA und diesen Materialien ist ausreichend, um saubere Stützen zu bilden, aber schwach genug, dass sich der aufgelöste Support ohne Rückstände löst.
Der entscheidende Nachteil von PVA ist seine extreme Hygroskopie — dazu unten ein eigener Abschnitt. PVA zieht Feuchtigkeit förmlich aus der Luft und ist damit noch anspruchsvoller in der Lagerung als Nylon. Zweiter Punkt: PVA ist vergleichsweise teuer und die Spulen sind oft kleiner (500–750 g), weil das Material sensibel ist und selten in großen Mengen gebraucht wird.
Wichtig zu wissen: PVA verträgt sich nicht gut mit ABS. Die Drucktemperatur von ABS (240–260 °C) liegt oberhalb der thermischen Verträglichkeit von PVA, das bei diesen Temperaturen zu degradieren beginnt und an der Düse verkokt. Für ABS ist HIPS der richtige Support.
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HIPS — der Limonen-lösliche Support für ABS
HIPS steht für High Impact Polystyrene, also schlagzähes Polystyrol. Es ist materialverwandt mit ABS und teilt dessen Druckfenster fast exakt — beide drucken bei 230–250 °C auf einem heißen Bett. Diese thermische Nähe macht HIPS zum idealen Support-Partner für ABS: Beide Materialien lassen sich in einem Druck ohne Temperaturkonflikte kombinieren.
Der Clou: HIPS löst sich in D-Limonen (Limonen), einem aus Zitrusschalen gewonnenen Lösungsmittel, das ABS nicht angreift. Du legst das ABS-Teil samt HIPS-Support ins Limonen-Bad, das HIPS löst sich auf, das ABS bleibt unversehrt. Weil HIPS und ABS ähnlich robust sind, lässt sich HIPS-Support zusätzlich auch mechanisch abbrechen — bei einfachen Geometrien musst du gar nicht ins Lösungsmittel.
HIPS hat noch einen zweiten Nutzen: Es ist ein vollwertiges Modellmaterial. Man kann daraus auch komplette Teile drucken — leicht, schlagzäh und gut zu bearbeiten. Als Support ist es aber die klassische Rolle. HIPS neigt wie ABS zum Warping und braucht ein geschlossenes Gehäuse; beim Druck entsteht ein leichter Styrol-Geruch, weshalb gute Belüftung Pflicht ist.
Wichtig: Auch HIPS ist leicht hygroskopisch und sollte trocken gelagert werden — bei Weitem nicht so kritisch wie PVA, aber feuchtes HIPS zeigt dieselben Symptome wie feuchtes ABS (Blasen, raue Oberfläche).
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PVA vs. HIPS — der große Vergleich
PVA und HIPS lösen dasselbe Problem, sind aber für unterschiedliche Materialien und Arbeitsweisen gemacht. Die Faustregel ist simpel: PVA für alles, was bei niedriger bis mittlerer Temperatur druckt (PLA, PETG), HIPS für ABS. Die folgende Tabelle stellt beide direkt gegenüber.
| Kriterium | PVA | HIPS |
|---|---|---|
| Chemische Basis | Polyvinylalkohol | Schlagzähes Polystyrol |
| Löst sich in | Wasser (Leitungswasser) | D-Limonen (Limonen) |
| Idealer Partner | PLA, PETG | ABS (auch ASA) |
| Drucktemperatur (Düse) | 190–220 °C | 230–250 °C |
| Druckbett-Temperatur | 45–60 °C | 90–110 °C |
| Gehäuse nötig | nein (bei PLA-Kombi) | ja (wie ABS) |
| Feuchtigkeitsaufnahme | extrem — trocknen zwingend | mittel — trocken lagern |
| Auflösen | sauber, geruchlos | Lösungsmittel, Zitrusgeruch |
| Mechanisch entfernbar | kaum sinnvoll | ja, auch abbrechbar |
| Auch als Modellmaterial | nein | ja |
| Kosten pro kg | hoch | moderat |
Kurz gefasst: Druckst du überwiegend PLA und PETG und willst maximalen Komfort beim Auflösen, ist PVA gesetzt — Wasser ist überall verfügbar und geruchlos. Druckst du ABS, führt kein Weg an HIPS vorbei, weil PVA die ABS-Temperaturen thermisch nicht mitmacht. Unsicher, welches Modellmaterial überhaupt zu deinem Projekt passt? Unsere Übersicht Welches Filament für was? ordnet die Materialien nach Anwendungsfall.
Druckeinstellungen für löslichen Support
Der Schlüssel zu sauberem löslichem Support liegt weniger in den Temperaturen als in den Support-Parametern im Slicer — besonders im Abstand zwischen Support und Modell. Zu eng, und der Support klebt fest; zu weit, und die Überhänge hängen durch. Die folgenden Startwerte haben sich bewährt.
| Parameter | PVA (mit PLA) | HIPS (mit ABS) |
|---|---|---|
| Düsentemperatur Support | 200–215 °C | 235–245 °C |
| Bett-Temperatur | 50–60 °C | 100–110 °C |
| Support-Interface-Abstand (Z) | 0 mm (bei löslichem Support) | 0,1–0,2 mm |
| Interface-Layer | ja, dichte Kontaktschicht | ja, dichte Kontaktschicht |
| Druckgeschwindigkeit Support | langsam, 20–30 mm/s | 30–40 mm/s |
| Bauteilkühlung | wie PLA (100 %) | aus / minimal (wie ABS) |
| Gehäuse | nicht nötig | dringend empfohlen |
| Trocknung vor Druck | zwingend | empfohlen |
Der große Vorteil von löslichem Support: Weil du ihn ohnehin auflöst, kannst du den Z-Abstand auf null setzen und eine dichte Interface-Schicht drucken. Das ergibt makellos glatte Überhang-Unterseiten — bei Standard-Support undenkbar, weil der sonst nicht mehr abginge. Stelle im Slicer sicher, dass Modell und Support dem jeweils richtigen Extruder zugewiesen sind, und aktiviere einen Prime-Tower (Purge-Turm), damit die inaktive Düse beim Wechsel sauber gespült wird.
PVA richtig trocknen — der wichtigste Schritt
Wenn ein einziger Faktor über Erfolg oder Frust mit PVA entscheidet, dann ist es die Trocknung. PVA ist das hygroskopischste gängige Filament überhaupt — es zieht Wasser noch schneller aus der Luft als Nylon. Eine frisch geöffnete Spule kann binnen Stunden so viel Feuchtigkeit aufnehmen, dass sie unbrauchbar wird. Feuchtes PVA erkennt man sofort: Es schäumt und blubbert an der Düse, klebt, verstopft und bildet Fäden ohne Ende.
Deshalb gilt bei PVA ohne Ausnahme: vor jedem Druck trocknen und während des Drucks trocken halten. Bewährte Werte sind 45–55 °C für vier bis sechs Stunden im Filament-Trockner. Direkt aus dem Trockner in eine Trockenbox mit Trockenmittel, aus der heraus gedruckt wird — offen an der Luft liegend ist PVA schon nach kurzer Zeit wieder feucht.
Wie du Filament grundsätzlich richtig trocknest, welche Temperaturen für welches Material gelten und worauf es dabei ankommt, erklärt unser ausführlicher Ratgeber zum Filament trocknen. Und welches Gerät sich dafür wirklich lohnt, zeigt unser Filament-Trockner-Test — für PVA ist ein aktiver Trockner keine Luxusanschaffung, sondern praktisch Voraussetzung.
Support auflösen — Wasser und Limonen
Das Auflösen ist der befriedigendste Teil des Prozesses. So gehst du bei beiden Materialien vor:
- PVA in Wasser: Lege das fertige Teil in lauwarmes Wasser (nicht heiß, sonst kann PLA weich werden). Nach 1–2 Stunden ist der Support weitgehend aufgeweicht; ein leichter Wasserstrahl oder Umrühren beschleunigt es. Große Support-Mengen brauchen mehrere Stunden oder einen Wasserwechsel. Achtung: PVA-Wasser nicht in großen Mengen in den Abfluss — es kann verkleben; besser über den Restmüll entsorgen oder stark verdünnen.
- HIPS in Limonen: Lege das ABS-Teil in ein Bad aus D-Limonen. Das Auflösen dauert länger als bei PVA — je nach Menge mehrere Stunden bis über Nacht. Limonen riecht intensiv nach Zitrus und sollte in einem geschlossenen Behälter und gut belüftet verwendet werden. Das Lösungsmittel lässt sich mehrfach wiederverwenden, bis es gesättigt ist.
Bei HIPS musst du übrigens nicht immer zum Lösungsmittel greifen: Weil HIPS mechanisch stabil, aber spröder als ABS ist, lässt sich der Support bei einfachen Überhängen auch von Hand abbrechen. Das Limonen-Bad lohnt sich vor allem bei filigranen Innengeometrien, an die du mechanisch nicht herankommst.
Kosten — lohnt sich löslicher Support?
Löslicher Support ist ein Aufpreis-Feature. PVA gehört zu den teureren Filamenten pro Kilogramm, und der Materialverbrauch ist höher als man denkt, weil beim Filamentwechsel Purge-Material anfällt und ein Prime-Tower mitgedruckt wird. Dazu kommt der Zeitaufwand fürs Trocknen und Auflösen. HIPS ist deutlich günstiger, aber auch hier zahlst du den Aufwand eines Zwei-Material-Drucks.
Die ehrliche Einordnung: Für die meisten Alltagsdrucke ist löslicher Support Overkill. Standard-Support aus dem Modellmaterial reicht völlig, wenn die Überhänge zugänglich sind. Löslicher Support spielt seine Stärke erst dort aus, wo er unersetzlich ist — bei eingeschlossenen Hohlräumen, verschachtelten Beweglichkeiten, die im Druck entstehen sollen, oder bei Sichtteilen, deren Überhang-Unterseiten makellos glatt sein müssen. Wer solche Teile regelmäßig druckt und die Hardware (IDEX oder Dual-Extruder) besitzt, für den ist der Aufpreis gut investiert. Für gelegentliche funktionale Drucke lohnt sich die Investition selten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PVA und HIPS?
PVA ist wasserlöslich und wird als Support für PLA und PETG genutzt — du wäschst es einfach in Wasser aus. HIPS löst sich in D-Limonen und ist der Support-Partner für ABS, weil es dessen hohe Drucktemperatur mitmacht. PVA ist bequemer (nur Wasser), aber extrem feuchtigkeitsempfindlich und teurer; HIPS ist robuster, günstiger und lässt sich zusätzlich mechanisch abbrechen.
Kann ich löslichen Support mit einem Ein-Düsen-Drucker nutzen?
Nur, wenn dein Drucker ein Multi-Material-System mit automatischem Filamentwechsel besitzt (z. B. AMS oder MMU). Ein einfacher Drucker mit einer Düse und ohne Wechselsystem kann kein zweites Filament im selben Druck verarbeiten und damit keinen löslichen Support drucken. Ideal sind Dual-Extruder- oder IDEX-Geräte mit zwei getrennten Düsen.
Warum muss PVA getrocknet werden?
PVA ist das hygroskopischste gängige Filament — es zieht Feuchtigkeit extrem schnell aus der Luft. Feuchtes PVA schäumt und blubbert an der Düse, verstopft und zieht endlose Fäden. Deshalb muss PVA vor jedem Druck bei etwa 45–55 °C getrocknet und aus einer Trockenbox heraus gedruckt werden. Offen gelagert ist es schon nach kurzer Zeit unbrauchbar.
Wie löst man PVA auf?
Lege das fertige Teil in lauwarmes Wasser. Nach ein bis zwei Stunden ist der PVA-Support weitgehend aufgeweicht; Umrühren oder ein leichter Wasserstrahl beschleunigt den Vorgang. Große Support-Mengen brauchen länger oder einen Wasserwechsel. PVA-haltiges Wasser nicht in großen Mengen in den Abfluss geben, da es verkleben kann.
Wie löst man HIPS auf?
HIPS löst sich in D-Limonen, einem Lösungsmittel aus Zitrusschalen, das ABS nicht angreift. Das ABS-Teil kommt ins Limonen-Bad, wo sich das HIPS über mehrere Stunden bis über Nacht auflöst. Verwende das Bad in einem geschlossenen, gut belüfteten Behälter. Bei einfachen Geometrien lässt sich HIPS auch einfach von Hand abbrechen.
Kann PVA mit ABS kombiniert werden?
Nein. Die Drucktemperatur von ABS (240–260 °C) liegt oberhalb der thermischen Verträglichkeit von PVA, das dabei degradiert und an der Düse verkokt. Für ABS ist HIPS der richtige Support. PVA passt thermisch zu PLA und PETG.
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