Aktualisiert: Juli 2026
Kurzantwort: Polycarbonat (PC) ist das Hochleistungs-Filament unter den technischen Kunststoffen: extrem schlagzäh, sehr fest und hitzebeständig bis über 110 °C — deutlich mehr als ABS oder PETG. Der Preis dafür sind hohe Ansprüche beim Druck. PC braucht Düsentemperaturen von 260–310 °C und damit ein All-Metal-Hotend, ein geschlossenes, beheiztes Gehäuse gegen starkes Warping und trockenes Material, denn PC ist stark hygroskopisch. Wer diese drei Punkte beherrscht, druckt mechanisch und thermisch belastbare Teile, die kein anderes Standard-Filament liefert.
Was ist PC-Filament (Polycarbonat)?
PC steht für Polycarbonat, denselben transparenten Hochleistungskunststoff, aus dem Sicherheitsscheiben, Schutzhelme, Maschinenabdeckungen und die berühmten kugelsicheren „Panzergläser” bestehen. Im 3D-Druck ist Polycarbonat das Material für alle, die an die Grenzen von ABS und Nylon stoßen und noch mehr Festigkeit, Schlagzähigkeit oder Hitzebeständigkeit brauchen. PC gehört klar in die Kategorie der technischen Filamente und richtet sich an fortgeschrittene Anwender mit passender Hardware.
Das herausragende Merkmal ist die Kombination aus Zähigkeit und Temperaturbeständigkeit. Wo PLA schon bei 55 °C weich wird, PETG bei rund 75 °C und ABS bei etwa 90 °C an seine Grenze kommt, bleibt Polycarbonat bis über 110 °C formstabil. Gleichzeitig ist PC extrem schlagzäh: Ein PC-Teil biegt sich unter Belastung eher, als dass es spröde bricht. Reines Polycarbonat kann sogar transparent gedruckt werden. Dieser Vorteil hat einen Preis — PC ist eines der anspruchsvollsten Filamente überhaupt und verzeiht Fehler bei Temperatur, Gehäuse und Trocknung kaum.
PC-Eigenschaften im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften von Polycarbonat mit realistischen Werten für handelsübliche Markenware zusammen. Reine PC-Sorten und PC-Blends (etwa PC-ABS oder PC mit Carbonfaser) unterscheiden sich in den Details, die Größenordnung ist aber materialtypisch.
| Eigenschaft | Wert / Bewertung |
|---|---|
| Chemische Basis | Polycarbonat (PC) |
| Drucktemperatur (Düse) | 260–310 °C |
| Druckbett-Temperatur | 100–120 °C |
| Formbeständigkeit (Wärme) | ~110–130 °C |
| Glasübergangstemperatur | ~145–150 °C |
| Zugfestigkeit | ~60–70 MPa |
| Schlagzähigkeit | sehr hoch — biegt statt zu brechen |
| Transparenz | möglich (reines PC), oft leicht getönt |
| UV-/Witterungsbeständigkeit | mäßig — vergilbt ohne UV-Schutz |
| Feuchtigkeitsaufnahme | hoch — stark hygroskopisch, zwingend trocknen |
| Dichte | ~1,20 g/cm³ |
| Schrumpf / Warping | sehr hoch — beheiztes Gehäuse Pflicht |
| Hotend | All-Metal zwingend (PTFE-Liner scheidet aus) |
| Druck-Schwierigkeit | hoch — Material für Fortgeschrittene |
Wie sich diese Werte gegen PLA, PETG, ABS und Nylon einordnen, zeigt unsere große Filament-Vergleichstabelle mit allen gängigen Materialien im direkten Gegenüberstellung.
Optimale Druckeinstellungen für PC
Polycarbonat verlangt mehr als jedes Standard-Filament. Drei Baustellen entscheiden über Erfolg oder Fehldruck: die hohe Drucktemperatur, das starke Verziehen (Warping) und die Feuchtigkeit im Material. Die folgende Tabelle liefert bewährte Startwerte für reines PC — bei PC-Blends darfst du am unteren Ende der Temperaturspanne beginnen.
| Parameter | Startwert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 270–290 °C (bis 310 °C) |
| Druckbett-Temperatur | 100–120 °C |
| Gehäuse (Enclosure) | zwingend, möglichst beheizt |
| Hotend | All-Metal, gehärtete Düse empfohlen |
| Bauteilkühlung (Lüfter) | 0 % (aus) bis max. 10–20 % |
| Erste Schicht (Geschwindigkeit) | langsam, ~20 mm/s |
| Druckgeschwindigkeit | 30–50 mm/s |
| Retraction (Direct Drive) | 1–2 mm |
| Brim / Rand | dringend empfohlen (8–10 mm) |
| Bett-Haftung | Klebestift, PC-Haftlack oder PEI |
| Trocknung vor Druck | Pflicht — 70–80 °C, mehrere Stunden |
Hohe Temperaturen und All-Metal-Hotend
PC schmilzt erst bei sehr hohen Temperaturen sauber. Düsentemperaturen von 260–310 °C sind normal, viele Sorten laufen am besten um 280–290 °C. Bei diesen Werten scheidet ein Hotend mit PTFE-Liner (dem klassischen weißen Teflon-Schlauch bis zur Düse) aus: PTFE beginnt oberhalb von rund 240 °C zu zersetzen und setzt gesundheitsschädliche Dämpfe frei. Für PC brauchst du deshalb zwingend ein All-Metal-Hotend, das durchgängig aus Metall besteht. Ein enger Materialdurchmesser und abrasive Additive bei Carbon-Blends sprechen zusätzlich für eine gehärtete Düse.
Geschlossenes Gehäuse ist Pflicht
Polycarbonat schrumpft beim Abkühlen sehr stark und neigt entsprechend heftig zum Warping und zur Delamination — dem Ablösen ganzer Schichten. Der wirksamste Gegenspieler ist eine hohe, konstante Bauraumtemperatur. Ein geschlossenes Gehäuse ist bei PC deshalb keine Empfehlung, sondern Voraussetzung; idealerweise wird der Bauraum aktiv auf 50–70 °C temperiert. Der Bauteillüfter bleibt aus oder läuft nur minimal, damit die Schichten nicht zu schnell erkalten und abreißen. Wer PC auf einem offenen Drucker versucht, kämpft bei allem, was größer als ein paar Zentimeter ist, mit abgehobenen Ecken. Dieselbe Gehäuse-Logik gilt übrigens für ABS — die Grundlagen dazu stehen im ABS-Guide.
Feuchtigkeit — PC ist stark hygroskopisch
Kaum ein gängiges Filament zieht so gierig Wasser wie Polycarbonat. Schon wenige Stunden an feuchter Luft reichen, damit eine frisch geöffnete Spule Probleme macht: Die Düse zischt und knistert, es bilden sich Blasen, die Oberfläche wird rau und milchig, und die Schichthaftung bricht ein. PC muss vor jedem Druck getrocknet werden — typisch bei 70–80 °C über mehrere Stunden — und sollte während des Drucks möglichst aus einer beheizten Trockenbox laufen. Wie du Filament richtig trocknest, erklärt unser Ratgeber zum Filament trocknen Schritt für Schritt; welches Gerät sich lohnt, zeigt unser Filament-Trockner-Test.
Betthaftung und erste Schicht
PC haftet gut auf einem heißen Bett (100–120 °C) in Kombination mit der richtigen Haftschicht. Bewährt haben sich Klebestift, spezielle PC-Haftlacke oder eine glatte PEI-Oberfläche. Vorsicht: PC verbindet sich so stark mit manchen Druckplatten, dass es beim Ablösen Material aus der Platte reißen kann — eine Trennschicht wie Klebestift schützt hier doppelt. Ein großzügiger Brim von 8–10 mm vergrößert die Auflagefläche und hält die Ecken unten. Die erste Schicht sollte langsam und satt gedruckt werden.
Anwendungen: Wofür sich PC-Filament lohnt
Polycarbonat ist kein Filament für dekorative Drucke, sondern für Bauteile, die mechanisch oder thermisch wirklich gefordert sind. Der Mehraufwand lohnt sich überall dort, wo Standard-Materialien an ihre Grenzen kommen:
- Hitzebelastete Teile: Halterungen im Motorraum, Gehäuse nahe Elektronik, Bauteile hinter Autoscheiben oder in der Nähe von Heizquellen — überall dort, wo ABS bei ~90 °C schon nachgibt.
- Mechanisch hoch belastete Teile: Vorrichtungen, Werkzeugaufnahmen, Zahnräder, Clips und Scharniere, die Schläge und Dauerlast aushalten müssen, ohne spröde zu brechen.
- Funktionsprototypen: belastbare Muster, die seriennahe Eigenschaften brauchen, bevor gespritzt wird.
- Transparente technische Teile: Lichtleiter, Schutzabdeckungen oder Sichtfenster aus reinem, klar gedrucktem PC.
Für noch höhere Steifigkeit greifen viele zu PC-Carbon-Blends, bei denen Kohlenstofffasern die Festigkeit steigern und das Warping reduzieren — mehr dazu im Carbon-Filament-Guide. Steht dagegen Abriebfestigkeit und Flexibilität im Vordergrund, ist Nylon oft die bessere Wahl.
PC vs. ABS vs. Nylon — welches Technik-Filament passt?
PC, ABS und Nylon (PA) sind die drei klassischen technischen Filamente und überschneiden sich bei funktionalen Anwendungen. Sie haben aber klar unterschiedliche Stärken: PC dominiert bei Hitze und Steifigkeit, ABS ist der günstige, gut glättbare Allrounder, und Nylon punktet mit Abriebfestigkeit und Zähigkeit. Die folgende Tabelle stellt die drei direkt gegenüber.
| Kriterium | PC | ABS | Nylon (PA) |
|---|---|---|---|
| Düsentemperatur | 260–310 °C | 230–260 °C | 240–270 °C |
| Bett-Temperatur | 100–120 °C | 90–110 °C | 70–100 °C |
| Belastbar bis | ~110–130 °C | ~90 °C | ~80–100 °C |
| Steifigkeit / Festigkeit | sehr hoch | mittel | mittel (zäh) |
| Schlagzähigkeit | sehr hoch | hoch | sehr hoch |
| Abriebfestigkeit | gut | mäßig | sehr gut |
| Warping-Neigung | sehr hoch | hoch | hoch |
| Feuchtigkeitsaufnahme | sehr hoch | mittel | extrem hoch |
| Gehäuse nötig | ja (beheizt) | ja | empfohlen |
| All-Metal-Hotend | zwingend | empfohlen | empfohlen |
| Druck-Schwierigkeit | sehr hoch | hoch | hoch |
Kurz gefasst: Braucht dein Teil maximale Hitzebeständigkeit und Steifigkeit, führt kein Weg an PC vorbei. Geht es um solide Technik-Teile zum kleinen Preis mit der Option der Aceton-Glättung, ist ABS die entspanntere Wahl — alles dazu im ABS-Guide. Stehen Abriebfestigkeit, Gleitverhalten und Zähigkeit im Vordergrund, spielt Nylon seine Stärken aus; die Details stehen im Nylon-Guide.
Die besten PC-Filamente und Blends 2026
Reines Polycarbonat ist am schwierigsten zu drucken, weil das Warping am stärksten ausfällt. Viele Einsteiger in die PC-Welt starten deshalb mit einem PC-Blend wie PC-ABS: Der ABS-Anteil senkt die nötige Temperatur leicht und macht das Material gutmütiger, während der PC-Anteil für höhere Hitzebeständigkeit und Zähigkeit sorgt. Für erste PC-Drucke ist ein solcher Blend oft die klügere Wahl als reines PC.
- Polymaker PC-ABS (Schwarz): ein gutmütiger PC-ABS-Blend, der die hohe Hitzebeständigkeit von PC mit dem einfacheren Druckverhalten von ABS verbindet — ein guter Einstieg für belastbare Technik-Teile.✅ Polymaker PC-ABS Schwarz 1,75mm 1kg➤ Preis auf Amazon prüfen*
- RANKI Polycarbonat (Schwarz): reines PC-Filament für maximale Festigkeit und Wärmeformbeständigkeit — die kompromisslose Option für Anwender mit beheiztem Gehäuse und Trockenbox.✅ RANKI Polycarbonat-Filament 1,75mm 1kg schwarz➤ Preis auf Amazon prüfen*
Achte generell auf Markenware mit enger Durchmessertoleranz und vakuumierter, mit Trockenmittel verpackter Ware — bei einem so hygroskopischen Material entscheidet der Feuchtigkeitszustand über Erfolg oder Fehldruck. Billiges No-Name-PC ist beim Kauf oft schon feucht und rächt sich mit rauen, milchigen Oberflächen. Wie sich PC gegen alle anderen Materialien schlägt, siehst du in unserer Filament-Vergleichstabelle.
Häufige Fragen zu PC-Filament
Bei welcher Temperatur druckt man PC-Filament?
Polycarbonat druckt man mit 260–310 °C an der Düse, typische Startwerte liegen bei 270–290 °C. Das Bett sollte 100–120 °C heiß sein. Wichtig: Bei diesen Temperaturen ist ein All-Metal-Hotend zwingend, weil ein PTFE-Liner oberhalb von rund 240 °C zersetzt. Der Bauteillüfter bleibt aus oder läuft nur minimal.
Braucht man für PC ein geschlossenes Gehäuse?
Ja, bei PC ist ein geschlossenes Gehäuse Pflicht. Polycarbonat schrumpft beim Abkühlen sehr stark und verzieht sich sonst massiv. Ein Gehäuse hält die Bauraumtemperatur hoch und konstant und verhindert Zugluft — idealerweise wird der Bauraum sogar aktiv auf 50–70 °C temperiert. Ohne Einhausung gelingen nur sehr kleine Teile.
Muss ich PC-Filament vor dem Druck trocknen?
Unbedingt. PC ist stark hygroskopisch und zieht innerhalb weniger Stunden Feuchtigkeit aus der Luft. Feuchtes PC zischt an der Düse, bildet Blasen und wird rau und milchig. Trockne PC vor dem Druck bei 70–80 °C über mehrere Stunden und drucke es möglichst aus einer beheizten Trockenbox.
Wie hitzebeständig ist PC-Filament?
Polycarbonat ist bis etwa 110–130 °C formstabil und damit deutlich hitzebeständiger als ABS (~90 °C) oder PETG (~75 °C). Die Glasübergangstemperatur liegt bei rund 145–150 °C. Das macht PC zum Material der Wahl für Teile nahe Wärmequellen, im Motorraum oder hinter Autoscheiben.
Ist PC-Filament stärker als ABS?
Ja. PC hat mit rund 60–70 MPa eine deutlich höhere Zugfestigkeit als ABS (~40 MPa), ist steifer und schlagzäher zugleich — es biegt sich unter Last eher, als spröde zu brechen. Dafür ist PC anspruchsvoller im Druck und braucht höhere Temperaturen, ein beheiztes Gehäuse und trockenes Material.
Kann man PC transparent drucken?
Reines Polycarbonat lässt sich transparent bis leicht getönt drucken — daher stammt sein Einsatz in Sicherheitsscheiben und Lichtleitern. Im FDM-Druck wird die Klarheit allerdings durch die Schichtstruktur getrübt. Für hohe Transparenz helfen dickere Schichten, hohe Temperaturen und eine Nachbearbeitung; farbige PC-Blends sind dagegen blickdicht.
Transparenz: Links mit * sind Affiliate-Links (Amazon PartnerNet). Für dich ändert sich am Preis nichts, wir erhalten eine kleine Provision.
